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Interview mit Gernot Hassknecht: „Bitte nicht anschreien!“

Der waschechte Südhesse Hans-Joachim Heist kommt Anfang Dezember in seiner Paraderolle des Cholerikers Gernot Hassknecht (bekannt aus der ZDF-heute-show) nach Münster. Im Interview erzählt er, was Heimat für ihn bedeutet, was ihn privat auf die Palme bringt und warum er vor seinen Auftritten immer durch die Gänge der Veranstaltungshallen tigert.

Das Interview führte Meike Mittmeyer-Riehl

Gemeinde Münster: Herr Heist, werden Sie auf der Straße manchmal als „Herr Hassknecht“ angesprochen?

Hans-Joachim Heist: Ja, sehr oft, nicht nur auf der Straße. Im Supermarkt, am Bahnhof, am Flughafen, überall. Und dann gibt es natürlich Leute, die kommen tatsächlich auf mich zu und sagen: Bitte nicht anschreien! Aber ich bin immer sehr nett und freundlich.

Ihrer Figur platzt ja sehr schnell der Kragen. Werden Sie selbst auch schnell wütend?

Ich bin kein Choleriker in dem Sinne. Ich bin vom Wesen her eigentlich eher ein Heinz-Erhard-Typ mit Schalk im Nacken. Aber es gibt Situationen, da kann ich mal ausrasten. Sehr oft im Auto, da hört mich auch keiner. Da kann ich auch mal schön laut und sehr derb werden, wenn es die Verkehrslage erfordert.

Wie schaffen Sie es, auf Knopfdruck authentisch wütend rüberzukommen?

Das ist eigentlich nicht so schwer. Von null auf 100 zu kommen, lernt man ja schon auf der Schauspielschule. Das funktioniert bei mir ganz gut und authentisch kommt es deshalb rüber, weil ich mich auch mit dem Text sehr gut identifizieren kann. Das ist der Unterschied zum Choleriker, der immer und bei jeder Gelegenheit ausrastet. Das mache ich ja nicht.

Haben Sie ein Ritual, mit dem Sie sich in die Rolle einfühlen, bevor Sie auf die Bühne gehen? Mit einem Probe-Wutausbruch vielleicht?

Eigentlich eher im Gegenteil, mit ein paar Entspannungsübungen. Dann mache ich aber auch immer ein paar Sportübungen, um etwas außer Atem zu kommen: Liegestütze, ein bisschen laufen. Ich tigere in der Garderobe oder in den Katakomben und Gängen der Hallen herum, um auf die Bühne zu kommen und auf Temperatur zu sein.

Und wie kommen Sie anschließend wieder runter?

Indem ich ein schönes Glas Wein trinke.

Wenn man heutzutage Nachrichten schaut, hat man manchmal den Eindruck, dass das doch nur Satire sein kann. Ist es dadurch schwieriger geworden, politische Satire zu machen?

Nein, auf keinen Fall. Es gibt ja viele Politiker und Situationen, die lechzen geradezu nach Satire, nach kabarettistischer Aufbereitung und satirischer Wiedergabe. Wir haben ja auch noch Trump und Putin, den Klimawandel und Co. Da gibt es viele, viele Themen. Man hat gar nicht so viel Zeit, um das alles aufzuarbeiten. Ein Programm zusammenzustellen ist da meist gar nicht so einfach, die schwierigste Frage ist: Was lässt man weg?

Ihr Auftritt in Münster ist für Sie ja quasi ein Heimspiel, Sie leben in Pfungstadt. Wie ist es für Sie, daheim aufzutreten?

Ich trete gerne hier in der Heimat auf, denn hier bin ich ja auch bekannt geworden. Ich habe lange in Darmstadt Theater gespielt. Ich freue mich auf das Münsterer Publikum, ich kenne es ja bereits, ich war vor einiger Zeit als Heinz Erhard schon mal da und es war großartig.

Apropos Heimat: Was bedeutet dieser Begriff für Sie?

Heimat bedeutet Familie. Da, wo die Familie ist, ist meine Heimat. Dort, wo ich meinen Ruhepol habe und wo ich geerdet bin.

In aller Kürze: Was kann das Publikum von Ihrem Programm „Jetzt wird’s persönlich“ erwarten?

Wutausbrüche natürlich, darauf wartet das Publikum ja. Es wird aber auch ruhige Gedanken geben, die sehr intensiv zum Nachdenken anregen. Ich werde am Anfang viel über Demokratie reden. Und es geht noch um viele andere Dinge: die Baustellen, die Infrastruktur, die Bildung. Aber ich kann dem Publikum versprechen: Die Lachmuskeln werden trainiert, es ist ein sehr unterhaltsames Programm.

Zur Person

Hans-Joachim Heist, geboren 1949 in Seeheim-Jugenheim, ist ein deutscher Schauspieler, Parodist, Komiker und Regisseur. Nach einer Ausbildung zum Installateur begann er ein Bauingenieurstudium an der Darmstädter Fachhochschule, welches er jedoch abbrach. Er absolvierte Anfang der 1980er Jahre sein Schauspielstudium in Wiesbaden. Nach der Ausbildung hatte er diverse Engagements unter anderem in Marburg, Darmstadt, Frankfurt am Main, Krefeld-Mönchengladbach, Zürich und Mannheim. Seit 2009 analysiert er in der ZDF-heute-show als Choleriker Gernot Hassknecht das politische Geschehen. Für diese Rolle wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Goldenen Kamera und dem Deutschen Comedypreis.

Infos und Tickets

Gernot Hassknecht – Jetzt wird’s persönlich ist am Sonntag, 2. Dezember 2018 um 18 Uhr (Einlass 17 Uhr) in der Kulturhalle Münster, Friedrich-Ebert-Straße 73, zu sehen. Tickets erhältlich im Rathaus Münster, in allen ztix-Vorverkaufsstellen oder auf www.kulturhalle-muenster.de.

Foto: Willi Weber

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Interview mit Gernot Hassknecht: „Bitte nicht anschreien!“

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